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17 May 2012

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Schumann/Wieck: Klavierkonzert op. 7

 

 

Clara Wieck/Schumann
1819–1896
Konzert für Klavier und Orchester a-Moll, op. 7
[1832–1835]
Allegro maestoso –
Romanze: Andante non troppo con grazia –
Finale: Allegro non troppo – Allegro molto


im Programm Nr. 15

Solist: Christian Glinz †, Klavier

 

 




Clara Wieck

»Was aber meine Mutter erlebt, gelitten und geleistet hatte, kam doch nirgends so zum Ausdruck wie in ihren Händen. Sie waren schlank und groß – konnten Dezimen mit freiem Gelenk anschlagen – , die Finger leicht zugespitzt, der Daumen schön geschwungen und der fünfte Finger, wohl durch frühzeitige Ausbildung, nur um weniges kürzer als der vierte. Das Handgelenk war, wenn auch kräftig, so doch äußerst fein gebaut, und es war schön, das sanfte Anschwellen des vollen Armes zu verfolgen.«

 

Eugenie Schumann, die jüngste Tochter, »Erinnerungen«, 1925


»Angestrengte und anstrengende weibliche Arbeiten und Zeichnen oder Malen vertragen sich schlechterdings nicht mit einem ernstlichen praktischen Klavierspiel, schon weil beide Beschäftigungen nicht nur viel Zeit in Anspruch nehmen, sondern auch den Fingern die nötige lockere Geschmeidigkeit und Gewandtheit rauben; und erstere – die weiblichen Arbeiten, namentlich das Stricken – nach den neuesten Erfahrungen einen unnatürlichen Nervenreiz erzeugen, der gesunden Fortschritten nicht günstig ist. Ich habe in meinem langen Klavierwirken jedenfalls nie etwas Erkleckliches ausrichten können bei strickenden, häkelnden und stickenden Damen.«

Friedrich Wieck, der Vater, »Clavier und Gesang«, 1853


»Aufgefordert vom Vater der jungen Virtuosin Clara Wieck, schreibe ich gerne in folgenden Zeilen mein Anerkenntnis ihres außerordentlichen Talentes nieder. Wenn es auch in neuerer Zeit keine ganz seltene Erscheinung ist, daß ein Kind ihres Alters bereits eine ausgezeichnete mechanische Fertigkeit auf dem Pianoforte erworben hat, so ist es doch wahrscheinlich noch nicht dagewesen, daß damit, wie bei ihr, ein so gediegener Vortrag, die richtige Accentuation, größte Deutlichkeit sowie die feinsten Schattierungen des Anschlags in sich vereinigt, verbunden gewesen wäre. Auch ist ihre Fertigkeit von der Art, daß sie das Schwerste, was für das Instrument geschrieben ist, mit einer Sicherheit und Leichtigkeit überwindet, wie man dies nur bei den größten jetzt lebenden Virtuosen antrifft. Daß ferner das, wodurch sich ihr Spiel vor dem der gewöhnlichen frühreifen Virtuosen auszeichnet, nicht bloß Ergebnis einer strengen und musterhaften Schule ist, sondern auch aus ihrem Innern hervorgeht, dafür geben ihre Kompositionsversuche Zeugnis, die daher auch, wie die junge Virtuosin selbst, zu den
höchst merkwürdigen Erscheinungen im Gebiete der Kunst gehören.«

Louis Spohr, Komponist, 13. 12. 1831


Die ersten Skizzen zu einem Klavierkonzert in a-Moll, des einzigen Orchesterwerks von Clara Wieck, stammen aus dem Jahre 1833 als sie vierzehn war und sich in Robert Schumann verliebte, der seit 1830 im Hause Wieck lebte und studierte.


»Clara ist jetzt sehr oft so unbesonnen, herrisch, voller unvernünftigem Widerspruch, nachlässig, im höchsten Grade unfolgsam, grob, eckig, ungeschliffen, ungeheuer faul, eigensinnig eitel auf Lumpen (an andere Eitelkeit ist gar nicht mehr zu denken, denn sie hat nicht das geringste Interesse mehr für die Kunst, und Zeit zum Studieren gar nicht, da sie erst um 9 Uhr aufsteht, halb 11 Uhr fertig ist, dann Besuche kommen, Mittag zu Tische gebeten ist und nachmittags aufs höchste unglücklich ist, wenn sie spielen soll, weil sie dann nur an das Theater denkt und an die Herren) kurz, was aus ihr werden soll, weiß Gott – zu Hause bleiben kann sie auch nicht. Den letzten Rest meines Lebens ärgere ich mich ab, und selten kann ich mich über sie freuen – ohne Betrübnis. Es vergeht kein Tag, wo sie mich nicht durch obige Eigenschaften kränkt. Wenn ich nicht wäre, würde sie kein einziges Stück vollendet spielen – denn sie ist so zerstreut, daß sie in der Regel nicht weiß, ob sie spielt, und der Eigensinn dabei verzerrt ihr Gesicht.«

Friedrich Wieck an seine Frau, 29. 10. 1834, »Briefe«


Im November des selben Jahres hatte sie einen Satz beendet; Schumann kümmerte sich um die Orchestrierung, die im Februar 1834 vollständig vorlag. Dieser Satz, den Clara Wieck in ihr Konzert-Repertoire aufnahm, bildet in dem späteren dreisätzigen Konzert das Finale. Im Sommer 1834 begann sie mit der Arbeit am Kopfsatz des Werkes, und ein Jahr darauf bereitete sie die komplette Komposition zur Drucklegung vor, nachdem sie die neuen Teile selbst instrumentiert und die Stimmen eigenhändig herausgeschrieben hatte.

Im November 1835 fand im Leipziger Gewandhaus unter der Leitung von Felix Mendelssohn die Uraufführung mit Clara Wieck als Solistin statt. Das Werk ist Louis Spohr gewidmet und wurde für die endgültige Druckfassung der Klavierstimme mit dem Orchestermaterial als Supplement im Januar 1837 ein weiteres Mal revidiert.

Endlich gegen den Willen des Vaters mit dem über alles geliebten Schumann verheiratet, seufzt sie: »Wie gern möcht ich komponieren, doch hier kann ich durchaus nicht… Ich tröste mich immer damit, daß ich ja ein Frauenzimmer bin, und die sind nicht zum komponieren geboren.«


M. Z.


– Zitate aus: Beatrix Borchard:
Clara Schumann. Ihr Leben. FfM; Berlin 1994
– Fakten nach: Keith Anderson
NAXOS booklet 8.557552





 

 

 

 

 

Christian Glinz 

wurde  am 8. August 1966 in Bern geboren. Er entdeckte in jungen Jahren das Klavier, studierte bei Jürg Wyttenbach und Homero Francesch, bald folgten Konzerte, Radioaufnahmen, Musikpreise.

Er absolvierte Meisterkurse bei Vitaly Margoulis und Vera Gornostaeva. Nach dem Konzertexamen studierte er an der Hochschule der Künste in Berlin bei Hans-Martin Rabenstein und Jesaiah Jackson Dirigieren. Nach seinem Kapellmeisterexamen ist er an mehreren deutschen Bühnen als Korrepetitor engagiert worden. In dieser Zeit hatte er mehrfach die Gelegenheit mit Ensembles zu arbeiten, wie z. B. an der Neuköllner Oper mit dem Ensemble Oriol.

Das Konzertieren, sowohl als Solist, als auch mit Kammersängern und -musikern, bestimmte seine Laufbahn. Aber er erarbeitete auch gerne mit Chansonsängern und Schauspielern ungewöhnliche Programme, unter anderen »Moonflash – NachtSchattenGesänge«, eine Collage über Vampirismus mit dem Musiktheater-Ensemble »Die Schönen der Nacht« in Freiburg. Daneben war er seit seiner Jugend ein leidenschaftlicher Improvisator.

Christian Glinz lebte in Berlin und war als freischaffender Pianist, Begleiter, Korrepetitor und Arrangeur im In- und Ausland tätig. Seit Oktober 2007 arbeitete Glinz als Dozent an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. 

Christian Glinz ist am 20. Juli 2010 gestorben.

Letzte Aktualisierung ( Sunday, 15. August 2010 )
 
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