Edvard Grieg


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Edvard Hagerup Grieg  

* 15. Juni 1843 in Bergen, Norwegen

† 4. September 1907 in Bergen, Norwegen



Zwei elegische Melodien


Edvard Grieg

1843–1907

 

Zwei elegische Melodien

op. 34

nach Gedichten von

Aasmund Olavsson Vinje

 

1. »Hjertesår« (Herzwunden)

2. »Siste vår« (Letzter Frühling)

 

 


14. und 15 Januar 2006

► »Klassik im Salon 9« 


In den Jahren 1873 bis 1880 beschäftigte sich Grieg mit der Vertonung von Gedichten des Volksschullehrers Aasmund Olavsson Vinje (1818– 1870). Einige dieser »Zwölf Lieder für Singstimme und Klavier«, sein opus 33, sind in Norwegen so populär geworden, dass sie in Volksliedersammlungen und Schulmusikbücher aufgenommen worden sind.

 

„Für mich handelt es sich beim Liedkomponieren nicht darum, Musik zu machen, sondern in erster Linie darum, den geheimsten Intentionen des Dichters gerecht zu werden. Das Gedicht hervortreten zu lassen, und zwar in gesteigerter Form, das war meine Aufgabe.“

 

Die Lieder Nr. 3, »Der Verwundete« (Den saerde), und Nr. 2, »Der Frühling (Våren), instrumentierte er für das Bergener Symphonieorchester, das er 1880 als Dirigent übernommen hatte;

1881 erschienen sie als »Zwei elegische Melodien« unter der opus-Nummer 34 im Druck.

 

„Die tiefe Traurigkeit dieser Gedichte ist der Hintergrund für den feierlichen Klang der Musik, und dies veranlasste mich … ihren Inhalt deutlicher hervorzuheben, indem ich ihnen ausdrucksvollere Überschriften gab. Deshalb [habe ich mich entschlossen, sie] »Der letzte Frühling« und »Das verwundete Herz« [zu nennen].“ 

 

Bis zum Erscheinen seiner Peer-Gynt-Suiten waren sie seine beliebtesten Orchesterstücke. | M. Z.



Aasmund Olavsson Vinje

Frühling

(Grieg op. 33 Nr. 2 )

 

Ja, noch einmal ist das Wunder geschehn,

das Glück mir beschieden,

wieder in all seiner Wonne zu sehn

den Frühling hienieden!

Durfte noch einmal beseliget schaun

den Winter zertauen,

lieblich die Seen und die Ströme erblaun,

ergrünen die Auen.

Hören noch einmal, des Morgens erwacht,

Schallmeien erklingen,

einmal noch hören, entschlummernd zur Nacht,

die Nachtigall singen.

 

Ja, noch einmal wehten Lüfte so warm

auf blühenden Auen,

durft' auf den Blüten sich tummelnd ohn' Harm

die Falter ich schauen.

Nochmals durft' atmen den Duft ich so voll,

von Blüten umgeben.

Doch denk' voll Trauer ich: 

Darf ich denn wohl dies nie mehr erleben?

Geh Trübsinn! ward doch vom Leben ich bedacht mit offenen Händen!

Ward mehr beschenkt, als ich selber vollbracht;

In Dank will ich enden.

 

Schöner, als jemals zuvor ich es sah,

bedünkt mich das Blühen,

schön, wie die Sonne dem Untergang nah

im letzten Erglühen.

Düfte der Blumen, sie hauchen so süß,

so lind wehn die Lüfte,

gleich als ob fernher ihr Atem schon grüß'

von jenseits der Grüfte.

Wandle, als träte mein zagender Schritt

nicht irdische Matten,

zöge im Fluge der Wolken schon mit,

ein seliger Schatten.

Edvard Munch

Melancholie

Holzschnitt 37,6 x 45,5 cm


 

Aasmund Olavsson Vinje

Der Verwundete

(Grieg op. 33 Nr. 3 )

 

Wohl hat mein Herz in des Lebens Streit

viel Schläg' und Stöße empfangen,

doch ist noch immer, trotz Weh und Leid,

aus allem Kampfe in Tapferkeit

als Sieger hervorgegangen.

 

Schon lang vernarbten die Wunden zwar,

die einst geblutet tief innen,

doch öffnen leis sie sich immerdar aufs neu,

wenn draußen im jungen Jahr

die Knospen zu schwellen beginnen.

 

Da sprießt aus ihnen es wild empor

in unaufhaltsamem Triebe,

begrüßt von jubelnder Vögel Chor,

ein bunter, blühender Blumenflor,

betaut von Tränen der Liebe.