Konzert Nr. 15


Damenwahl –

»Warum giebt es so wenige Componistinnen!«

 

Diese Frage – gleichzeitig Titel eines Vortrages von S. Jessel in der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins Frankfurt am Main am 25. April 1898 – war zu ihrer Zeit leicht zu beantworten, angesichts der weitverbreiteten Vorbehalte gegen komponierende Frauen:

 

»Es gehört unzweifelhaft für eine Dame ein großer Muth dazu, eine Symphonie zu schreiben, sowohl wegen der eigenthümlichen Schwierigkeiten dieser Musikgattung wie auch wegen des Vorurtheils, das man im Publikum der Leistung einer Dame auf diesem bisher ausschließlich Männern vorbehaltenen Gebiete der Composition entgegenbringt«, schrieb zum Beispiel Richard Pohl im Badener Wochenblatt vom 11. April 1895.

 

Diesen Mut hatten aber bereits so viele Frauen aufgebracht, dass sich Anton Rubinstein 1891 zu dem Urteil verstieg: »Die Ueberhandnahme der Frauen in der Musikkunst, sowohl im instrumentalen Ausüben wie auch in der Composition […], datiert seit der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts – ich halte diese Ueberhandnahme auch mit für ein Zeichen des Verfalles unserer Kunst.«

 

Wir wissen zwar inzwischen, dass Frauen gleichermaßen Gültiges wie Männer zur  Bereicherung der Künste beigetragen haben und immer mehr beitragen, dennoch müssen wir eingestehen, dass doch noch nicht allzuviel davon allgemein bekannt ist.

 

Diesem Missstand versuchen wir mit unserer fast ausschließlichen »Damenwahl« ein wenig abzuhelfen. | M. Z.


Plakat und Programmhefttitel:

Johann Heinrich Füssli 1741–1825

Liegende Nackte und Klavierspielerin. (Ausschnitt) 1799/1800

Öl auf Leinwand, 71 x 99 cm

Basel, Kunstmuseum 


Damenwahl

E. Scott Wilkinson† dirigierte das fünfzehnte Konzert

Sonnabend, 17. Januar 2009

Sonntag, 18. Januar 2009

Emmaus-Kirche, Berlin-Kreuzberg

 

Mit chor canta:re

Einstudierung: Thomas Noll

und

Christian Glinz†, Klavier

 


Christian Glinz 

wurde  am 8. August 1966 in Bern geboren.

Er entdeckte in jungen Jahren das Klavier, studierte bei Jürg Wyttenbach und Homero Francesch, bald folgten Konzerte, Radioaufnahmen, Musikpreise.

Er absolvierte Meisterkurse bei Vitaly Margoulis und Vera Gornostaeva.

Nach dem Konzertexamen studierte er an der Hochschule der Künste in Berlin bei Hans-Martin Rabenstein und Jesaiah Jackson Dirigieren.

Nach seinem Kapellmeisterexamen ist er an mehreren deutschen Bühnen als Korrepetitor engagiert worden. In dieser Zeit hatte er mehrfach die Gelegenheit mit Ensembles zu arbeiten, wie z. B. an der Neuköllner Oper mit dem Ensemble Oriol. 

Das Konzertieren, sowohl als Solist, als auch mit Kammersängern und -musikern, bestimmte seine Laufbahn. Aber er erarbeitete auch gerne mit Chansonsängern und Schauspielern ungewöhnliche Programme, unter anderen »Moonflash – NachtSchattenGesänge«, eine Collage über Vampirismus mit dem Musiktheater-Ensemble »Die Schönen der Nacht« in Freiburg.

Daneben war er seit seiner Jugend ein leidenschaftlicher Improvisator.

 

Christian Glinz lebte in Berlin und war als freischaffender Pianist, Begleiter, Korrepetitor und Arrangeur im In- und Ausland tätig. Seit Oktober 2007 arbeitete Glinz als Dozent an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. 

Christian Glinz ist am 20. Juli 2010 gestorben. 

 

 

P r o g r a m m f o l g e

 

Giaocchino Rossini

1792–1868

Ouvertüre zur Oper »L’italiana in Algeri«

»Die Italienerin in Algier« 

[1813]

 

Emilie Mayer

1812–1883

Symphonie [V] f-Moll

[1862]

daraus:

II. Adagio

III. Scherzo: Allegro vivace

 

Clara Wieck, verh. Schumann

1819–1896

Konzert für Klavier und Orchester a-Moll, op. 7

[1833–1835]

Allegro maestoso –

Romanze: Andante non troppo con grazia – Finale: Allegro non troppo – Allegro molto

 

P a u s e

 

Jean Coulthard

1908–2000

Introduction and Three Folksongs

[1976]

aus: »Canadian Mosaic«

[1974] 

Europäische Erstaufführung

1. Lullaby for a Snowy Night

(Wiegenlied in verschneiter Nacht)

2. Mam’zelle Québécoise

(Das Fräulein aus Québec)

3. Contented House (Gemütliches Zuhause)

4. Billowing Fields of Golden Wheat

(Wogende Weizenfelder)

 

Fanny Hensel

1805–1847

Nachtreigen »Es rauschen die Bäume«

für 8-stimmigen gemischten Chor a cappella [1829]

Text von Wilhelm Hensel (1794–1861)

 

May Aufderheide

1888(?)–1972

»Dusty Rag« und »The Thriller!«

[1908/1909]

in der Fassung für Orchester

[2008]

von Tobias Fasshauer

UA

 

Fanny Hensel

1805–1847

»Hiob«

Kantate für Soli, Chor und Orchester [1831]

1. Chor »Was ist ein Mensch«

2. Arioso: Larghetto »Warum verbirgst Du dein Antlitz«

3. Chor: Vivace »Leben und Wohltat hast Du an mir getan«


Schnappschüsse von Ursula Zachow